Perspektiven

In einer Welt in der mittlerweile  jeder ein Sänger ist, weil er Auto-Tune verwendet.

Wo jeder ein Model ist, weil es Social Media einem nun mal erlaubt.

Wo jeder durch diverse Schönheitsoperationen und mit Anwendung von Filtern auch noch perfekt aussieht (oder auch unheimlich), sollten wir diese Welt vielleicht endlich mal aus dem Blickwinkel betrachten, von dem es einem wirklich nichts anderes mehr übrig bleibt, als  auf die inneren Werte des Menschen zu achten.

Denn dort begegnet dir der wahre Kern dieses Menschen. Dort siehst du das wahre Wesen, das in ihm wohnt und wie viel davon tatsächlich wunderschön ist oder es bloss eine zu schöne Hülle mit leerem Inhalt „für dich“ war.

Was ich damit sagen will ist: es liegt nicht an uns zu beurteilen, ob es richtig oder falsch ist, wie Menschen sich nach aussen präsentieren und was sie mit sich selbst tun. Die Wahrheit ist, dass wir uns alle auf völlig anderen Ebenen befinden und somit die Sichtweisen nicht immer teilen werden. Wir werden einander hören und doch für die gleiche Aussage ein anderes Verständnis haben.

Wie wertlos sich manche Menschen innerlich fühlen, sehen wir nicht, wir ahnen es nur.

Wie wertvoll sie versuchen endlich zu sein, durch die Anerkennung einer ihnen unbekannten Masse ist vielleicht eine traurige Angelegenheit.

Aber trotzdem hat es schlussendlich nichts mit einem selbst zu tun. Ob wir es verurteilen oder nicht: es ändert sich nichts daran.

Jeder von uns sündigt auf eine andere Weise. Und manche nennen es „leben“, während andere es eben „sündigen“ nennen.

Schlussendlich ist das alles doch gar nicht wichtig. Wir schweben irgendwo im All herum, ohne zu wissen, wieso wir hier sind. Also hat der Gedanke daran nun wirklich einen Wert?

Nino Gadelia

„Copyright und alle Rechte bei der Autorin“

 

Wenn die Mohnblumen grüssen

mohnblumenfeld

Weisst du, du hast dich selbst umgebracht. Mehrmals. Ich kann dich nicht ansehen, es tut zu sehr weh, dies zu tun. Ich bin du und du bist ich, daran liegen keine Zweifel. Ich weiss, was ich von dir habe: manchmal macht mich diese Welt auch krank und dann weiss ich genau, wieso du zu anderen Mitteln gegriffen hast, um dein Kopf zu betäuben, einfach abzustellen, dass einfach mal Ruhe ist.

Ich habe diese ewige Suche mit tausend Zusammenhängen und gleichzeitig abertausend offenen Fragen auch satt. Akzeptieren wir einfach, dass wir uns im Labyrinth befinden. Ich kann mich nicht zu sehr davon kontrollieren lassen.

Ich habe das alles lange nicht verstanden. Ich hätte mir gewünscht, dich so zu sehen, wie all die anderen sind: Ruhig und nur dann zu lächeln, wenn es angebracht ist. Nur dann Wut zu zeigen, wenn es in der Gesellschaft nicht verurteilt wird.

Was für eine Illusion. Ich habe mich selbst damit betrogen, weil ich auch nicht wie die anderen bin.

Sie sind tot und wir fühlen zu viel.

Sie schlafen, während wir denken.

Sie sind betäubt und wir sehnen uns nach einer Betäubung, damit mal da oben etwas Ruhe einkehrt.

Sie tun, was sich gehört, ohne etwas zu hinterfragen. Während wir uns fragen, wieso sie tun, was sie tun.

Sie sind schockiert und wir lachen sie aus, weil sie leben, ohne wirklich am Leben zu sein. Und manchmal tun sie uns genau deswegen leid.

Aber du hast dich zu sehr treiben lassen. Du bist über die Grenze gegangen. Sie haben dich dazu gebracht dich selbst zu hassen. Du wolltest nicht mehr zurück in diese Welt.

Sie haben dich nicht verstanden und sie haben dich gebrochen.

So hast du dich umgebracht, immer und immer wieder, aber niemals ganz. Manchmal warst du da und doch nicht da. Du schwebtest in der Grenze herum.

Dir gefiel es da besser, als wirklich hier zu sein. Wenn du hier warst, fingst du an dich so sehr zu hassen, dass du wieder in diesem Schwebezustand sein wolltest.

Ich hasste dich dafür, dass du so warst. Doch irgendwann wurde mir klar, was du dir angetan hast, um dich selbst zu ertragen. Überleg mal, wie sehr du dich selbst hasst?

Dieser Gedanke betäubte mich vor Schmerz und ich hasste mich selbst für den Hass, den ich für dich empfand.

Sucht ist eine andere Art von Selbstmord. Eine Retard Form davon. Man bringt sich immer und immer wieder selbst um. Es ist die Substanz, die dich dem Tod am nächsten bringt. Süchtige Menschen hassen sich und doch lieben sie jemanden so sehr, dass diese Liebe sie doch immer wieder am Leben hält.

Du hast gezeigt, was sie von dir hielten: Ich passe mein Benehmen nicht an, weil man mich sowieso hasst. Ich ziehe mich wie ein Penner an, weil man mich sowieso verurteilt. Ich bin genau dieser Dreck, den ihr von mir behauptet zu sein.

Und so läufst du neben mir, und manchmal schwebst du auch daneben.

Ich habe das akzeptiert.

Nino Gadelia

„Copyright und alle Rechte bei der Autorin“